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RUHR NACHRICHTEN, 28. September 2009

TASTENLÖWIN MIT WEICHEM HERZEN
KONZERT: LISE DE LA SALLE IM KONZERTHAUS
Bach und Liszt hat Lise de la Salle gespielt, als sie vor fünf Jahren das Festival „The Next Generation II“ im Dortmunder Harenberg-Haus eröffnet hat. Jetzt ist die Französin 21 Jahre jung, hat sich das Repertoire zwischen Bach und Chopin erarbeitet und ist eine der besten Pianistinnen ihrer Generation. Gestern eröffnete sie im Konzerthaus die Saison der Dortmunder Mozart Gesellschaft, deren Stipendiatin Lise de la Salle ist. Eine Tastenlöwin mit weichem Herz und ganz viel Seele ist die junge Französin. Mit viel Sturm und Drang spielte sie Mozarts „Dürnitz-Sonate“ KV 284, ließ inneres Feuer lodern und fühlte sich trotzdem mit weichem Anschlag in die Musik ein – auch in Mozarts d-Moll-Fantasie, die spontan und frisch klang. Wenige Pianisten trillern fröhlicher als diese Perfektionistin am Klavier. Das Brillante heraus blitzen zu lassen, liegt Lise de la Salle, die Mozart gerne mit etwas Liszt in den Fingern spielt. Mozarts Variationen über „Ah, vous dirai-je, Maman“, das wir als „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ kennen, klangen so rasant, als hätte sie zehn Rentiere vor den Schlitten des Weihnachtsmanns gespannt. Viele Farbe zwischen den schwarzen und weißen Tasten zauberte die Französin aus dem Flügel, spielte Schumanns Symphonische Etüden mit viel Kraft und Gefühl für die Romantik. Die zwei Seelen des kämpferischen Florestan und des anschmiegsamen Eusebius, die Schumann gegenüber stellt, schlagen auch in der Brust dieser großartigen Pianistin. Bach lieferte Lise de la Salle als Zugabe nach. Am 4. Februar kommt sie wieder – in den nächsten drei Jahren ist sie eine „Junge Wilde“ des Konzerthauses. JG

 

WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU/WAZ, 29. September 2009

EINE PIANISTIN, DIE WIE EIN ORCHESTER KLINGT
„Am liebsten würde ich mit dem Klavier wie ein Orchester klingen“, sagt die junge französische Pianistin Lise de la Salle von sich. Aber wieso würde? Wieso Konjunktiv? Werden sich die meisten Besucher der Mozart Matinee im Konzerthaus gefragt haben. Dort war die diesjährige Stipendiatin der Mozart Gesellschaft Gast: Sie klingt doch wie ein ganzes Orchester! Und es war nicht nur der furiose Abschluss von Schumanns Symphonischen Etüden für Klavier op. 13, die den Hörer nach einer ereignisreichen Reise durch ein ganzes musikalisches Universum in den Bann der jungen Künstlerin schlugen. In der Tat verfügt Lise de la Salle über ein ganzes Orchesterwerk an Klangfarben – und versteht es, ihr Programm geschickt nach diesen ihren Stärken zu wählen. Nicht, dass die in Cherbourg geborene Pianistin irgendetwas zu verbergen hätte: Ihre Virtuosität und Präzision sind über jeden Zweifel erhaben. Ihre musikalische Reife ist für ihr zartes Alter ein Phänomen. Aber ihre Stärke liegt tatsächlich in den unterschiedlichen Klangfarben. Beim Hören ihrer Interpretation der zwölf Klaviervariationen „Ah, vous dirai-je, Maman“ von Mozart fühlt sich der Hörer an ihren Landsmann, den impressionistischen Maler Claude Monet erinnert: ein Farben- und Ausdrucksreichtum, wie er seinesgleichen sucht. Dabei ist der Beginn fast kindlich naiv. Aber das ist bei Lise de la Salle nur die Ruhe vor dem virtuosen, aber mit Leichtigkeit gepaarten Sturm musikalischen Facettenreichtums. Immer wieder überzeugend ist die sehr klare Linienführung, die leider bei jungen Künstlern nicht immer selbstverständlich ist. Auch in Mozarts „Dürnitz-Sonate“ (Klaviersonate Nr. 6 D-Dur KV 284) versteht es die Pianistin vor allem im ersten Satz, Kraft im Anschlag, Brillanz in der Ausformung ihres Tons und unsagbare Leichtigkeit miteinander zu verknüpfen. Ihren Spielwitz lebt die Französin vor allem im letzten, dem Variationensatz, aus: Perlend gelingen die Läufe, die angesichts der Herkunft der Pianistin unweigerlich an Champagner erinnern. Man darf gespannt sein, was die junge Künstlerin in den folgenden Jahren noch erreichen wird!
Martina Lode-Gerke

 

RUHR NACHRICHTEN, 2. NOVEMBER 2009

DEM HIMMEL SO NAH
2. MOZART MATINEE
Zur Zeit von Carl Philipp Emanuel Bach musizierten Kammerorchester noch im Stehen. Diese Tradition, die sich positiv auf ein lebendiges Klangbild auswirkt, setzte das nach dem Sohn von Johann Sebastian Bach benannte Kammerorchester gestern bei der zweiten Matinee der Mozart-Gesellschaft im Konzerthaus fort.
Am Pult stand Michael Sanderling, ein Musiker, der als Cellist einen ebenso guten Namen hat wie als Dirigent. Er legt viel Wert auf klare Linien und Transparenz – 16 Streicher reichten ihm, um Haydns Sinfonie Nr. 85, die 5. Schubert-Sinfonie und Mozarts 4. Violinkonzert, in Klangpracht und Fülle, vor allem aber viel Frische zu kleiden.
Schuberts 5. Sinfonie, die Mozartschte aller Schubert-Sinfonien, klang präzise gespielt wie ein Uhrwerk, glasklar, im langsamen Satz mit sehr weichen Akzenten – manchmal ein bisschen sehr geglättet. Ein Schubert ohne Ecken und Kanten, aber mit viel Tonkultur. Die hatte auch Geigerin Sinn Yang, eine 27-jährige Koreanerin, die eine der sechs aktuellen Stipendiaten der Mozart Gesellschaft ist. Und seit dieser Saison auch erste Konzertmeisterin der Nürnberger Philharmoniker.
Mit Silberton spielte sie Mozarts 4. Violinkonzert – schlank im Ton, manchmal etwas flotter als das Orchester vermutete, ausdrucksstark, zuweilen noch etwas ungestüm. Ungewöhnlich war die persönliche Ansprache der Solistin vorweg. Das Mozart-Konzert sei eine Impfung gegen Krankheiten wie Schweinegrippe, und im zweiten Satz fühle sie sich dem Himmel ganz nah. Das hörte man, wenngleich Yang dieses Cantabile nicht weltentrückt spielte.
Bei dem Konzert übergaben die Mozart Gesellschaft und DSW21 den ersten von vier mit je 5.000 Euro dotierten Förderpreisen. Den Förderpreis Streicher bekam Sinn Yang. JG

 

 

WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU/WAZ, 2. NOVEMBER 2009

STIPENDIATIN SINN YANG ÜBERZEUGTE AUF DER VIOLINE
„Gut, dass Sie gekommen sind, denn es gibt keinen besseren Impfstoff gegen die Schweinegrippe als Mozarts viertes Violinkonzert“, begrüßte die junge Geigerin Sinn Yang am gestrigen Sonntag die Zuschauer der Mozart Matinee im Konzerthaus.
In der Tat wirkte vor allen Dingen der letzte Satz dieses Konzertes wie eine Art Vitaminspritze – was aber nicht nur Mozarts Musik, sondern auch der übermütigen und zugleich brillanten Interpretation der jungen Koreanerin zuzuschreiben ist. Süß, luftig-leicht ist ihr Ton, wenn sie die überschäumende Kadenz des ersten Satzes intoniert; schwebend, beinahe ätherisch, aber auch rund und samtig die Tongebung im zweiten Satz. Neben technischer Brillanz überzeugt die Stipendiatin der Mozart Gesellschaft, die an diesem Morgen den von der DSW21 gestifteten Förderpreis im Fach Streicher erhielt.
Begleitet wurde sie vom Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach unter der Leitung von Micheal Sanderling, der sich mit dem Orchester während des Violinkonzertes eher im Hintergrund hielt und einen präzisen, farbigen, aber unauffälligen Klangteppich webte.
Beeindruckend ist das perfekte, homogene Zusammenspiel der Musikerinnen und Musiker, das nicht nur Haydns 85. Sinfonie „La reine“ zu einem Feuerwerk an Spielfreude machte, sondern auch Schuberts fünfte Sinfonie: Sanft war hier der Beginn des Kopfsatzes, den die Ausführenden in einer groß angelegten, organischen Steigerung zum Höhepunkte brachten, spannungsvoll und teilweise am Rande der Stille der zweite Satz.
Das elegante Trio bildete im dritten Satz einen reizvollen Kontrast zu dem energischen Menuett, flüchtig und wie ein huschender, zarter Windhauch gelang das Finale. Ein schöner, tröstlicher Einstieg in den Feiertag!
Martina Lode-Gerke

 

 

RUHR NACHRICHTEN, 30. NOVEMBER 2009

SOHN EINES NOBELPREISTRÄGERS DIRIGIERTE MOZART
KONZERT: MESSE MIT IGNAT SOLZHENITSYN
Den Vater des Dirigenten, der gestern die Matinee der Mozart-Gesellschaft im Konzerthaus geleitet hat, kennen die Kulturfreunde besser als den Sohn. Es ist Aleksandr Solzhenitsyn, Literatur-Nobelpreisträger des Jahres 1970. Sein Sohn Ignat Solzhenitsyn ist Chefdirigent eines Kammerorchesters in Philadelphia. Nach Dortmund kam er mit der Nordwestdeutschen Philharmonie aus Herford und dem Cantemus Chor, den Raimund Wippermann, Rektor der Musikhochschule Düsseldorf, leitet.
Es war ein besonderes Konzert, denn eine Messe steht fast nie auf dem Programm der Sinfoniekonzert- Reihe. Und Mozarts große c-Moll-Messe ist in einem Konzertsaal gut aufgehoben – wenn man sie so differenziert, schlank und vorsichtig anlegt wie der 37jährige Dirigent. Nur in wenigen Sätzen wirkte der 28 Stimmen starke Chor gegenüber den 47 Orchestermusikern etwas dünn.
Die Messe ist ein Fragment, die Mozart Gesellschaft ließ sie in der behutsam ergänzten Fassung von Richard Maunder aufführen. Solzhenitsyn betonte den liedhaften Gestus, setzte dazwischen wie im Credo, effektvoll kleine Stachel. Tiefen Eindruck hinterließ seine Interpretationen des „Qui Tollis“, das Chor und Orchester harmonisch tief ausloteten, und des „Et incarnatus est“ mit ausdrucksstarkem Sopransolo.
Die Solisten passten gut in Solzhenitsyns lyrisches Konzept. Ulrike Maria Maier sang den Partn, den Mozarts Frau Constanze bei der Uraufführung übernommen hatten, mit klarer, nur am Schluss etwas engem Sopran. Großartig war Rebekka Maria Stöhr, deren Mezzo-Altstimmen-Qualität hatte. Auch der Tenor des im Terzett etwas leisen Raphael Pauß hatte baritonale Tiefe. Yoo-Chang Nah sang das kleine Solo im Benedictus.
Vorangestellt hatte das Orchester der Messe Mozarts „Linzer Sinfonie“. Quirlig, temperamentvoll und genau musizierten die Herforder unter dem präzisen Dirigat von Solzhenitsyn die schnellen Sätze in flotten Tempi. Die lagen dem Orchester mehr als die langsamen Sätze. JG

 

WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU/WAZ, 30. NOVEMBER 2009

CANTEMUS CHOR VON GROSSEM ORCHESTER STARK GEFORDERT
Wie sein „Requiem“ ist Wolfgang Amadeus Mozarts „Große“ c-Moll-Messe nur Fragment geblieben. Es existieren zahlreiche Ergänzungen, doch am Sonntag, in der Mozart Matinee, gab es eine Bearbeitung zu hören, die weitgehend fragmentarischen Charakter beibehält.
„Groß“ ist die c-Moll-Messe in vielerlei Hinsicht. Das Orchester ist um drei Posaunen und Orgel erweitert, zahlreiche Solo- und Chorpassagen sind breit angelegt und stilistisch vielfältig. Der „Cantemus-Chor“ machte im Zusammenspiel mit der Nordwestdeutschen Philharmonie eine gute Figur, erschien jedoch bisweilen mit seinen 28 Sängern zu klein gegenüber dem stark besetzten Orchester.
Von den Solisten hatten die weiblichen Sänger einiges zu tun: Die Mezzosopranistin Rebekka Maria Stöhr füllte das „Laudamus te“ mit lebendiger Musikalität und punktete mit farbiger, auch in der Höhe und Tiefe ansprechender Stimme. Ulrike Maria Maier konnte ihren sehr klaren Sopran nicht immer so gut in Szene setzen wie zu Beginn des „Incarnatus est“ im Zusammenspiel mit den Holzbläsern.
Unter der zupackenden Leitung von Ignat Solzhenitsyn bot das Herforder Orchester zuvor Mozarts ebenfalls 1783 entstandene „Linzer“ Sinfonie: Der russische Dirigent arbeitete klangliche Kontraste heraus und brachte vor allem die starken Streicher zu einem warmen, aber stets transparenten Klang. Auch die Spielfreude kam nicht zu kurz, etwa beim von unmittelbarer Lebendigkeit geprägten Menuett. *Burkhard Sauerwald

 

RUHR NACHRICHTEN, 7. Dezember 2009

SINGER PUR SCHUFEN BESINNLICHE OASE DER RUHE
ADVENTSKONZERT DER MOZART GESELLSCHAFT
Eine schöne Tradition ist das Adventskonzert der Mozart Gesellschaft in der Halle des Harenberg-Hauses mit anschließendem Bratapfelessen in der 18. Etage. Und es ist das Konzert, welches die meiste Ruhe ausstrahlt – eine Oase in der oft hektischen Vorweihnachtszeit.
Das Vokalsextett „Singer Pur“ gestaltete am Samstagnachmittag das Programm, führte musikalisch vom Mittelalter bis in die Gegenwart, und inhaltlich vom Advent bis zum Weihnachtsabend. Fünf ehemalige Regensburger Domspatzen (der dritte Tenor, der kurzfristig eingesprungen ist, war früher auch Ensemblemitglied) und die charmante, erstklassige Sopranistin Claudia Reinhard, boten interessante und sehr schwere Sätze von Weihnachtsliedern aus Europa.
Gespickt hatten sie die Wiegen- und Krippenlieder mit klassischen Weihnachts-Gedichten von Eichendorf, Rilke und Hesse. Einen Klang zum Versinken schön bot das Sextett in den Renaissance-Liedern und mittelalterlichen Liedern. Schlichte Sätze wie das „Veni, Domine“ ließen sie auf fröhlich-temperamentvolle Weihnachtsfreude aus Spanien („Riu, riu, riu“ mit Tamburin-Begleitung) folgen.
Klassische Weihnacht, wie sie der Jahresjubilar Mendelssohn, Michael Praetorius („Es ist ein Ros entsprungen“) oder Peter Cornelius eigentlich als Klavierlied vertont haben, bot das Programm auch. Die Bearbeitung von Cornelius‘ „Königen“ mit dem zweiten Text vom „Morgenstern“ in der Männerstimmenbegleitung unter dem Cantus firmus der Sopranistin wirkte ungewohnt, aber sehr interessant. Auch, wenn „Singer pur“ das beliebteste aller Weihnachtslieder nich gesungen hat, war nach dem Konzert „Stille Nacht“. – Das Konzert war ein Geschenk für die Gäste der Mozart Gesellschaft. JG

 

RUHR NACHRICHTEN, 1. Februar 2010

VIRTUOSE LUST AUF DEN MAI
JOSEPH MOOG BEKAM BEI DER MOZART GESELLSCHAFT MATERNA-PREIS
Joseph Moog ist einer der Senkrechtstarter der Klavierszene. 22 Jahre jung, schon mehrfach prämiert, auf Festivals gefeiert und hochgelobt auch auf dem Plattenmarkt. Zu vielen Preisen kam gestern einer hinzu: der mit 5.000 Euro dotierte Förderpreis Klavier, den die Materna GmbH dem Stipendiaten der Mozart Gesellschaft gestern in der Matinee im Konzerthaus überreicht hat.
Und das Bild vom virtuosen Pianisten ergänzte Joseph Moog mit seinem sehr sorgfältigen und einfühlsamen Spiel in Mozarts letztem Klavierkonzert KV 595. Den Titel seiner Liszt-Zugabe, mit der er dann wieder den Bravourpianisten anklingen ließ, hätte man auch zum Motto seines Mozart-Spiels machen können: Leichtigkeit.
Langsam, mit einem sehr kultivierten Anschlag und viel Geschmeidigkeit im Ton spielte der Student von Arie Vardi in Hannover die beiden ersten Sätze. Im Finale ließ er mehr Brillanz herausblitzen – im Rondo über das Mozart-Lied, das er auf den Tasten wohl allen im Saal aus der Seele sang: „Komm lieber Mai und mache“.
„Mit dem Preis zeigen Sie ihre Verbundenheit zur Musik, zur Stadt und zur Mozart Gesellschaft“, dankte Dr. Helmut Eiteneyer, stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft. „Ihr Verein leistet einen ganz wichtigen Kulturbeitrag in dieser Stadt“, lobte Dr. Winfried Materna.
Mit drei Sinfonien von Bachs jüngstem Sohn Johann Christian, von Mozart (das Jugendwerk KV 129) und Haydn (Nr. 79) komplettierte die Sinfonietta Köln das Programm. Ihr Leiter Cornelius Frowein stellte auch Bezüge zwischen den drei Werken her, zum Beispiel das Rokokohafte, das die Bach- und Mozart-Sinfonie verbindet.
Keine Sturm- und Drang-Werke, sondern sorgsam und in nicht ganz so rasanten Tempi ausmuszierte Sinfonien hörte man vom Kölner Orchester, das drei Jahre älter als Moog ist. Und in der Haydn-Sinfonie dann auch den Concertino-Charakter. Mit gerade einmal 20 Musikern bot das Orchester maximale kammermusikalische Durchsichtigkeit.*JG

 

WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU/WAZ, 1. Februar 2010

IM KULTURHAUPTSTADTJAHR BAUT DIE MOZART GESELLSCHAFT DIE STIPENDIEN FÜR JUNGE KÜNSTLER WEITER AUS
PREISTRÄGER JOSEPH MOOG ALS BESCHEIDENDER VIRTUOSE
Die erste Mozartmatinee des Jahres 2010 bot den Musikfreunden der Mozart Gesellschaft nicht nur ein gefälliges klassisches Konzertprogramm. Zugleich wurde auch das Kulturhauptstadtjahr eingeläutet, in dem der Verein mit Hilfe von Förderern seine Aktivitäten im Bereich der Künstler-Stipendien verstärkt.
Am Sonntag war es der Pianist Joseph Moog, dem der erste von vier Förderpreisen der Mozart Gesellschaft überreicht wurde. Jeweils 5.000 Euro sind für die Künstler vorgesehen – gestiftet von heimischen Unternehmen, in diesem Fall von der Materna GmbH. Dass das Stipendium nicht an den falschen Künstler geht, hatte Moog bei seinem Auftritt zuvor eindrucksvoll bewiesen. Zwar war das augedehnte (allerdings technisch lupenreine) Pedalspiel bei Mozarts B-Dur-Klavierkonzert KV 595 Geschmackssache, – Moogs umsichtige Klugheit und der sichere, lebendige Anschlag machten das anspruchsvolle Werk zu einem echten Hörererlebnis. Dass der 22-Jährige dabei bewusst auf übertriebenen Körpereinsatz am Instrument und Showelemente verzichtet, ist mehr als nur eine Fußnote wert; der Solist stellt nicht sich selbst, sondern die Komposition in den Mittelpunkt. Das gelang ihm auch in seiner Zugabe – obgleich Franz Liszts Konzertetüde „La Leggierezza“ (Die Leichtigkeit) ein durchaus virtuoses Werk ist.
Das Orchester, die Sinfonietta Köln unter Cornelius Frowein, erwies sich als solider Klangkörper, der jedoch erst nach der Pause einige Ungenauigkeiten abstellen konnte. Joseph Haydn Es-Dur Sinfonie Nr. 74 kam insbesondere in den Ecksätzen als spannungsgeladene Komposition daher, deren Überraschungsmomente von den Kölner Künstlern gut inszeniert wurden. Hier fiel der langsame Satz („Adagio cantabile“) etwas ab – die von Haydn geforderte Gesanglichkeit war zu sehr auf der Strecke geblieben.*Burkahrd Sauerwald

 

RUHR NACHRICHTEN, 22. März 2010

MIT PAUKEN UND TROMPETE
TINE THING HELSETH BEKAM BEI DER MOZART GESELLSCHAFT DEN FÖRDERPREIS BLÄSER
Man hätte meinen können, da steht die neun Jahre jüngere Schwester von Alison Balsom auf der Bühne des Konzerthauses. Aber Tine Thing Helseth ist etwas braver, norwegisch-kühler, aber ihr Trompetenton ist genauso samtweich.
Bei der Matinee der Mozart Gesellschaft blies sie gestern im Konzerthaus das Trompetenkonzert von Haydn, begleitet von der Deutschen Kammerphilharmonie Neuss unter der zupackenden und inspirierenden Leitung von Lavard Skou-Larsen. Etwas schüchtern ist die 23-Jährige noch, Trompete spielt sie aber mit einer Leichtigkeit wie andere Oboe – mit wunderbar sanglichem Ton. Konzert für Trompete, Klavier und Streicher ließ sie sich anstecken von der Musizierlust von Ardita Statovci, einer glänzenden Pianistin. 21 Jahre ist es her, dass die Mozart Gesellschaft mit Matthias Höfs einen Trompeter zum Stipendiaten machte. Tine Helseth nahm beim Konzert auch den mit 5.000 Euro dotierten Förderpreis im Fach Bläser entgegen, den die Kulturstiftung Dortmund finanziert. Für die seit 1992 unter dem Patronat der Industrie- und Handelskammer gegründete Stiftung ist dies die Woche der Preisverleihung. Freitag übergibt sie Anne-Sophie Mutter im Konzerthaus den Preis für ihr Lebenswerk.
Die Mozart Matinee war ein Konzert mit Pauken und Trompeten. Eingeleitet wurde sie von Mozarts „Serenata notturna“ KV 239, die die Kammerphilharmonie mit ihrem Dirigenten als Konzertmeister zum heimlichen Paukenkonzert machte und kernig forsch musizierte. Das Schostakowitsch-Konzert war für die Wiener Klassik gewohnten ein kleiner, aber lohnender Flirt mit der Moderne. Vertrauter klang Haydns 52. Sinfonie, nicht nur im Finale unter Skou-Larssons genauer Leitung wie geschnurrt gespielt von den Neussern.*JG

WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU/WAZ, 22. MÄRZ 2010

THING HELSETH BLÄST HAYDNS SPRÜHENDEN SPIELWITZ EIN
Ungewöhnliche Klänge bei der Mozart Gesellschaft am Sonntag im Konzerthaus. Normalerweise ist die Konzertreihe eher auf die Wiener Klassik, allen voran Haydn und natürlich Mozart „abonniert“, aber dieses Mal gab`s auch ein Häppchen Schostakowitsch. Hintergrund: die Verleihung des Förderpreises der Kulturstiftung Dortmund an die junge norwegische Trompeterin Tine Thing Helseth. Gemeinsam mit der ausgezeichneten Pianistin Ardita Statovci gestaltete sie das Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester des Russen.
Energisch ist der Anschlag der Pianistin, aber äußerst differenziert, wenn sie im ersten Satz die Läufe perlen lässt, schwebend gestaltet sie die Tongebung im zweiten Satz, nervig gelingt das Finale. Tine Thing Helseth bezaubert hier mit samtigem Ansatz, den sie im Finale aber auch mal ganz schön „knattern“ lassen kann. Perfekt ist das Zusammenspiel der beiden und homogen auch das Zusammenspiel mit dem Orchester, der Deutschen Kammerphilharmonie Neuss unter ihrem Leiter Lavard Skou-Larsen. Das Ensemble zeigt sich bei dieser Matinee bestens disponiert, gestaltet Mozarts „Serenata notturna“ mit geradezu sprühendem Spielwitz, der im Finale fast übermütig wirkt und den Zuschauern auch hier und da ein Schmunzeln abgewinnt.
Höhepunkt des Morgens war aber unbestritten Haydns Trompetenkonzert Es-Dur, denn hier lief die Norwegerin zur Höchstform auf: Brillant ist ihr Ton durchweg, weich auch in der Höhe, makellos die Läufe im ersten Satz. Sehr ausgewogen gelingt ihr der Duktus im Mittelsatz, so dass dieser eher gesungen denn gespielt wirkt. Eine grandiose Interpretation durch eine technisch fulminante Interpretin.
„Wenn Haydn Tine Thing Helseth vor 200 Jahren gekannt hätte, hätte er wohl mehr für Trompete geschrieben“, bemerkte der 1. Vorsitzende der Mozart Gesellschaft, Peter Wiegmann, bei der Preisverleihung.*Martina Lode-Gerke

RUHR NACHRICHTEN, 26. April 2010

FURIOSES FINALE EINES MUSIK-KRAFTWERKS

STAATSPHILHARMONIE RHEINLAND-PFALZ UND TECCHLER TRIO BEI DER MOZART GESELLSCHAFT. Mozarts Haffner- und Jupitersinfonie, dazu Beethovens Tripelkonzert, gespielt von einem grandiosen Orchester (der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz) und erstklassigen jungen Solisten (dem Tecchler Trio): Die Mozart Gesellschaft weiß, wie sie den Abonnenten den Saisonausklang versüßt. Die spielten aufbrausend schon in der Haffner-Sinfonie. Die klang nach purer Energie. In anderthalbfachem Tempo ließ Pehlivanian das Andante muszieren – frisch, forsch und sehr lebendig. Mozarts Wunsch fürs Finale „So geschwind als es möglich ist“ zu spielen, war dem Amerikaner in allen Sätzen Befehl. In der Jupiter-Sinfonie, Mozarts letzter Sinfonie, strotzte das musikalische Kraftwerk aus Rheinland-Pfalz ebenfalls vor Spiellust. Dazwischen erwies es sich als sensibler Begleiter in Beethovens Tripelkonzert. Es war schon Zufall, dass das eigentlich selten aufgeführte Werk innerhalb von zwei Wochen zum zweiten Mail im Konzerthaus erklang. Und ein interessanter Vergleich zur Interpretation der Philharmoniker mit dem Storioni Trio, bei dem das Tecchler Trio, Stipendiat der Mozart Gesellschaft, nicht schlecht abschnitt, in ersten Sätzen sogar spannender musizierte. Das Konzertante des unscheinbaren Klavierparts stellte Benjamin Engeli besser heraus, Esther Hoppes Violinton war geschmeidiger in der romantischen Interpretation der Tecchlers. Nur Cellist Maximilian Hornung spielte zurückhaltender als der Kollege vom Storioni Trio.

Vor der Pause übergaben Fritz Ziegler, Aufsichtsratsvorsitzender der BDO DWT AG, und Peter Wiegmann, Vorsitzender der Mozart Gesellschaft, den mit 5.000 Euro dotierten vierten und letzten Förderpreis der Gesellschaft an das Tecchler Trio. *JG

WESTFLÄLISCHE RUNDSCHAU, 26. April 2010

STAATSPHILHARMONIE RHEINLAND-PFALZ UNTER GEORGE PEHLIVANIAN ZUM ABSCHLUSS DER SPIELZEIT – TECCHLER-KLAVIERTRIO MIT FÖRDERPREIS AUSGEZEICHNET

MIT PROFUNDEM ORCHESTERKLANG ZU ANDERER MOZART-SICHTWEISE

Wer sich regelmäßig zur Mozart-Matinee einfindet, weiß zu schätzen, dass sich im Laufe einer Saison unterschiedliche Sichtweisen auf das Werk des berühmten Komponisten bieten. Teils sind es fast kammermusikalisch besetzte Ensembles mit dem Bestreben, Mozart schlank und transparent darzustellen. Am Sonntag gastierte im Konzerthaus ein Orchester, das andere Prioritäten setzte, in dem es sich mit größerer Besetzung einem klangstarken und breiten Mozart-Sound widmete. Unter der Leitung von George Pehlivanian zeigte sich die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz als ein Ensemble mit Durchschlagskraft: Mozarts sogenannte Haffner-Sinfonie erschien in der Interpretation der Ludwigshafener Musiker als ein prächtiges Werk – nicht nur durch die opulent ausgespielten Akzente, die sogar das Menuett bestimmten. Mit Ludwig van Beethovens Opus 56, dem Tripelkonzert für Klavier, Violine, Cello und Orchester, präsentierten sich drei Förderpreis-Stipendiaten der Mozart Gesellschaft: Das Tecchler-Trio zeichnete vor allem das Auftrumpfende in Beethovens Konzert nach: Esther Hoppe (hochschwanger an der Violine) und vor allem der Cellist Maximilian Hornung legten gemeinsam mit dem Pianisten Benjamin Engeli ihre Trio-Passagen fast orchestral an. Intensives Vibrato machte auch das tänzerische Rondo zu einem schwergewichtigen Werk, nur der Pianist versah bisweilen die Läufe mit spielerischer Leichtigkeit. Mit Mozarts letzter Sinfonie („Jupiter-Sinfonie“) gab es einen klangvollen Abschluss dieser Mozartmatinee-Spielzeit. Besonders beim langsamen zweiten Satz wurde es spürbar, dass der amerikanische Dirigent mit armenischen Wurzeln sehr auf präsente Bassstimmen Wert legte, um einen warmen und profunden Orchesterklang zu erreichen. *Burkhard Sauerwald