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PRESSE KONZERTSAISON 2010/2011

RUHR NACHRICHTEN, 20. September 2010

KLAVIERPOETIN MIT LÖWENHERZ BEI DER MOZART GESELLSCHAFT
Konzert: Khatia Buniatishvili war vielseitig
So genau weiß Khatia Buniatishvili wohl noch nicht, ob sie eine Tastenlöwin oder Poetin am Klavier sein möchte. Beim Saisonauftakt-Konzert der Dortmunder Mozart Gesellschaft, gestern im Konzerthaus war sie beides: eine Pianistin mit außerordentlich viel Kraft und einem empfindsamen Anschlag.
Mit einem breiten Repertoire präsentierte sich die Stipendiatin der Mozart Gesellschaft. Elegisch und sanft spielte sie Mozarts c-Moll-Fantasie. Auch Schumanns Fantasie begann die Georgierin liedhaft und steigerte ihr Spiel dann mit einer ungeheuren Gefühls-Vehemenz zu fast orchestralen Klangstürmen. Die leise, sehr sinnliche Interpretin lugte im dritten Satz immer wieder hervor. Dann aber wieder die impulsive Pianistin mit Löwenherz und fabelhafter Technik, die diabolisch schnell und sicher den ersten Mephisto-Walzer von Liszt spielte. Erstaunlich, woher die 23-Jährige die Kraft für solche Tastenstürme nimmt. Ebenso bemerkenswert war es, wie gut sie sich nach der Pause in Chopins B-Moll Sonate vertiefen konnte. Die ganze Sonate, auch der berühmte Trauermarsch, waren getrübt von einem permanenten Pfeifkonzert der Hörgeräte, die man besser ausschalten sollte im Saal.
Eine große Kunst der georgischen Pianistin ist es, ganz schnell zwischen Stimmungen zu wechseln. In Prokofjews B-Dur-Sonate stellte sie kaleidoskopartig filigrane, gestochen klare Rhythmen romantischen Klängen gegenüber, die wie Lieder ohne Worte auf den Tasten gesungen waren. – Ein wunderbarer Auftakt der Saison, in der sich noch sechs weitere Stipendiaten der Mozart Gesellschaft vorstellen.*JG

WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU, 20. September 2010

STIPENDIATIN PRÄSENTIERTE SICH TECHNISCH VIRTUOS
Liszt erster Mephisto-Walzer „Der Tanz in der Dorfschenke“ ist ein pianistisches Bravourstückchen. Und genau so präsentierte die 23jährige Georgierin und Stipendiatin der Mozart Gesellschaft, Khatia Buniatishvili, das zehnminütige Werk am Sonntag bei der Mozart Matinee im Konzerthaus.
Virtuos, technisch nahezu vollkommen ist das Spiel der jungen Pianistin hier, man kann sich aber hin und wieder des Eindrucks der Übersteigerung bis hin zum Exaltierten nicht erwehren. Die junge Künstlerin setzt nicht nur in diesem Werk auf eindrucksvolle Kontraste. Auch Mozarts Fantasie c-moll KV 396 lebt davon, viel mehr jedoch noch Schumanns Klavierfantasie C-Dur op. 17: Im ersten Satz steht der dramatische Duktus im Vordergrund, eruptiv ist die Dynamik, kraftvoll, leidenschaftlich, manchmal am Rande des Ästhetischen ist der Anschlag – dann wieder bewegt sich das Spiel am Rande der Stille und offenbart die poetische Ader der Künstlerin, bei der gern und ausgiebig das rechte Pedal zum Einsatz kommt.
Auch der erste Satz von Chopins zweiter Klaviersonate b-moll op. 35 ist äußerst kraftvoll angelegt, wie erstarrt wirkt dagegen der berühmte Trauermarsch des dritten Satzes. Dazwischen präsentiert Khatia Buniatishvili ein überschäumendes Scherzo – auch hier entsteht hin und wieder der Eindruck von Effekthascherei – mit einem sehr schönen und ausgewogenen lyrischen Mittelteil. Ein irisierendes Presto beendet die Sonate. Eher ungewöhnlich für die eher klassisch orientierten Programme der Mozart Gesellschaft der letzte Programmteil: Prokofiews siebte Klaviersonate B-Dur op. 83. In ihr kann die junge Pianistin noch einmal ihre Liebe zur kontrastreichen Darstellung voll ausleben. Alles in allem ein beeindruckender Vormittag mit einer technisch sehr gut aufgelegten Musikerin.*Martina Lode-Gerke

 

RUHR NACHRICHTEN, 2. NOVEMBER 2010

PORZELLAN-CHOPIN
Matinee der Mozart Gesellschaft/Ingolf Wunder zu Gast
Als „Stimmungswunder“ hat das Publikum den österreichischen Pianisten Ingolf Wunder beim Chopin-Wettbewerb vor zehn Tagen in Warschau gefeiert und war empört, dass die Jury den 25-Jährigen nur mit dem 2. Platz nach Hause schickte.
Die Mozart Gesellschaft Dortmund hatte schon vorher den richtigen Riecher und hat Ingolf Wunder zu ihrem Stipendiaten gemacht. Bei der Matinee im Konzerthaus dankte er dafür als „Stimmungs-Wunder“ mit dem e-Moll-Konzert von Chopin, für das er in Warschau den Sonder- und Publikumspreis bekam.
Mit Chopin hatte sich der Österreicher schon vor sechs Jahren beim Harenberg Festival „The next generation“ vorgestellt. Viel differenzierter, detailbewusster ist sein Anschlag seitdem geworden. Als leiser, sehr genauer Virtuose, der das Konzert in den schnellen Sätzen mit zartem Glanz und sehr natürlich klingender Brillanz überzog, stellte er sich vor. Der langsame Satz war eine innig, mit viel Gefühl auf den Tasten gesungene Romanze im Charakter einer Fantasie – ein beeindruckender Porzellan-Chopin.
Ingolf Wunder wird Karriere machen, denn auch das technische Rüstzeug hat er dafür und viel Herz und Verstand. Auch in den Zugaben, Debussys „Clair de lune“ und eine Bearbeitung von Mozarts „Alla turca“ von Arcadi Volodos, war das zu hören. 
Mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen unter Leitung von Ola Rudner hatte der Österreicher einen wunderbaren Begleiter. Mit Tonkultur und Enthusiasmus spielten die 40 Musiker Mozarts „Prager Sinfonie“. An Ouvertüren mangelte es der Matinee nicht. Auf die munter parlierende „Seidene Leiter“ von Rossini folgte Mozarts „Don Giovanni“-Ouvertüre mit hörbaren Bezügen zur Prager Sinfonie. Als Zugabe schloss das Orchester den Kreis mit Mozarts rossinihaft-brillanter „Figaro“-Ouvertüre. *JG

WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU, 3. November 2010

GELUNGENE MOZART-MATINEE IM AUSVERKAUFTEN KONZERTHAUS
Zwischen Emphase und Zartheit
Ingolf Wunders respektabler zweiter Platz beim Internationalen Chopin-Wettbewerb zeigt es an: Die Mozart Gesellschaft Dortmund unterstützt vielversprechende Stipendiaten. Und der Pianist bewies sein Können auch im Rahmen der Mozart Matinee. Am Sonntag gelang ihm bei Frédéric Chopins Klavierkonzert Nr. 1 ein beeindruckender Spagat zwischen virtuoser Emphase und dem Bemühen, auch zarten, nachdenklichen Passagen gerecht zu werden, von denen nicht nur die „Romance“ lebt. Dieser Satz übte in Wunders Darbietung eine besondere Faszination aus: Die Melodielinien ließ er sich aus dem orchestralen Klangteppich aufschwingen, den Dirigent Ola Rudner mit der Württembergischen Kammerphilharmonie sorgfältig auf die künstlerischen Auffassungen des Solisten abgestimmt hatte. 
Bei Mozarts Prager Sinfonie präsentierten sich in einem defensiv angelegten Andante vor allem die Streicher als gut aufeinander eingestellt. Der im Finale teils etwas unaufgeräumte Bläserklang konnte den positiven Eindruck, den die Musiker aus Reutlingen im ausverkauften Konzerthaus machten, kaum schmälern. Denn gleich drei gelungene Ouvertüren ließ der schwedische Dirigent aufführen: Rossinis Ouvertüre zu „Die seidene Leiter“ hatte einen bemerkenswerten Oboen-Part; dazu kamen Mozarts „Don Giovanni“ und die Figaro-Ouvertüre als schmissige Zugabe. *Burkhard Sauerwald

RUHR NACHRICHTEN, 29. November 2010

JUNGE „VILDE“ BEEINDRUCKTE TIEF
Mit Mendelssohn 3. Matinee der Mozart Gesellschaft
Die Mozart Gesellschaft hat es dem Publikum gestern im Konzerthaus wirklich schwer gemacht, die Matineen in der zweimonatigen Winterpause nicht zu vermissen: Eine der besten jungen Geigerinnen spielte eines der bislang besten Mendelssohn-Violinkonzerte in Dortmund. 
Am Pult des großartigen Bruckner Orchester Linz stand ein Dirigent, der im Juli noch in Dortmund als Star-Pianist gefeiert wurde. Und vier Hornsolisten bliesen in einem kuriosen Konzert zum Finale des Schumann-Jahrs. Mehr geht nicht.
Vilde Frang heißt die Junge Wilde der Mozart Gesellschaft, Geigerin, 24 Jahre jung, Norwegerin, Stipendiatin der Mozart Gesellschaft und der Anne-Sophie-Mutter-Stiftung. Mit kristallklarem, schlanken Ton, wenig Vibrato spielte die Wahl-Münchnerin das e-Moll-Konzert von Mendelssohn. Mit rasant schnellen Tempi im Finale und dabei gestochen präzise wie ein Kupferstrich.
So viel Mut muss man mit 24 Jahren erst mal haben, so ein freches Tempo anzuschlagen und das dann so bravourös mit Musik zu füllen. Von Vilde Frang wird man noch viel hören. Das Konzerthaus ist auch schon in Gesprächen mit ihr. 
Ein Vormittag ganz ohne Mozart – das ist ungewöhnlich für die Mozart Matineen. Beethovens 2. Sinfonie am Schluss war nah dran am empfindsamen Klassik Stil. Gewichtig, aber filigran ließ Dennis Russel Davies sein Orchester musizieren, spielte mit Klangfarbenregistern wie mit einer Klaviatur. Spannungsvoll und vibrierend.
Die Kuriosität gab’s zu Beginn, von Schumann selbst als solche benannt: Ein Konzert, in dem vier Hörner Solisten sind. Immer miteinander, nie gegeneinander konzertierend hat Schumann die vier Soloinstrumente geführt – mit munteren Jagdfanfaren und großer Sinfonik. Die vier guten Solisten waren Robert Schnepps, Christian Pöttinger, Johann Kreuzhuber und Bernhard Obernhuber. Und mit 70 Musikern war eine der größten Orchesterbesetzungen der Matinee-Reihe ein gerne in üppigen Klängen schwelgender Begleiter. *JG

WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU, 29. November 2010

DAS BRUCKNER-ORCHESTER LINZ GESTALTETE DIE MOZART-MATINEE GEMEINSAM MIT JUNGER STIPENDIATIN DER MOZART GESELLSCHAFT
Es muss nicht immer Wolfgang Amadeus sein
Das Bruckner Orchester aus Linz gastiert im Konzerthaus im Rahmen der Mozart Matinee. Und was steht auf dem Programm? Werke von Schumann, Mendelssohn und Beethoven.
Selten zu hören ist das Konzertstück op. 36, das Robert Schumann für vier Hörner und Orchester komponierte. Die vier Solisten des Linzer Orchesters (Robert Schnepps, Christian Pöttinger, Johann Kreuzhuber und Bernhard Obernhuber) erreichten eine erstaunliche Homogenität des Klangbildes, bei dem weniger scharfe Kanten, sondern vielmehr gediegene Klangfülle und breite Artikulation den Reiz ausmachten.
Der Dirigent Dennis Russel Davies entschied sich mit seinem groß besetzten Orchester (stark: die Streicher) für tiefgehende, profunde Klänge, passend zur Herangehensweise des Hornquartetts.
In Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-moll zeigte die junge Violinistin Vilde Frang Sinn für die Gestaltung der zahlreichen eingängigen Melodien des Werks und benutzte ein starkes Vibrato als vorwärtsdrängenden Motor. Im ersten Satz überzeugte eine überaus sensibel gestaltete Kadenz; im Andante gelang es der Norwegerin, die emotionale Emphase zu dosieren und der Romanze einen anmutigen Charakter zu geben. Dass sich im Orchester bisweilen Ungenauigkeiten hinsichtlich der Intonation (Klarinetten) oder der Tempogestaltung (Flöten) eingeschlichen hatten, fiel da nicht allzu ins Gewicht. Mit Ernsthaftigkeit und Konzentration gelang dem souveränen amerikanischen Chefdirigenten und seinen Musikern eine durchweg stimmige und anregende 2. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Davies ließ im keineswegs nur beschaulichen, sondern eher nachdenklichen Larghetto Raum für klangliche Entwicklungen – eine eindrucksvoll Mozart Matinee, ausnahmsweise mal ohne Mozart.*Burkhard Sauerwald

 

RUHR NACHRICHTEN, 14. Dezember 2010

MOZART UND EIN ROCKIGER ADVENT IN DER GROSSSTADT
Klassische Band „Spark“ bei Harenberg
Mit seinen Adventskonzerten in der Harenberg-Halle hat die Mozart Gesellschaft das Publikum immer überrascht. Am Sonntagnachmittag feierte der Verband dort eine „Sparky christmas“, mit einer etwas anderen, als von den Matineen gewohnten Musik.
Übersetzt heißt Spark soviel wie entzünden. Und tatsächlich sprühen Funken, wenn die junge, fünfköpfige Klassik-Band auf der Bühne steht. Blockflötenmusik klingt normalerweise anders als die im Oktober für ein Jahr zum „Kultur- und Kreativpilot Deutschland 2010“ ausgezeichnete Gruppe sie spielt.
Zu einer Reise durch weihnachtliches Leben in Großstädten, zu „Downtown illusions“ luden Geiger Stefan Glaus, Cellist Victor Plumettaz, Pianistin Jutta Rieping und die Blockflötisten Andrea Ritter und Daniel Koschitzki ein.
Und die Stationen auf dieser Reise schimmerten silbrig im „First Snow“ und rockten mächtig im Gedränge nach Geschenken von Kenji Bunch. Rhythmisch impulsiv spielt Spark Bearbeitungen, die in vielen Klangfarben changieren.
Und schaute in die Metropolen: nach Argentinien, wo die Menschen Tango tanzen in der Adventszeit, nach Russland, wo sich in die weinende Geige auch ungarische Melancholie mischte, und nach Irland und England, wo aus dem berühmten „Greensleeves“ in der Vorweihnachtszeit eine romantische Ballade wird. Und mit einem Vivaldi-Concerto machte Spark auch in Italien Station.
Einziges Mozart-Werk dieses Nachmittags war der Adventsklassiker des Salzburger Komponisten: die Variationen über „Ah, vous dirais-je, Maman“, bei uns besser bekannt als „Morgen kommt der Weihnachtsmann“. Jutta Rieping spielte die am Klavier alleine – klassisch, aber auch Funken sprühend. Hat Spaß gemacht! *JG

WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU, WAZ, 14. Dezember 2010

MOZART GESELLSCHAFT WAGT SICH AUF UNGEWÖHNLICHE WEGE: SPARK-ENSEMBLE PUNKTET BEI DEN ZUHÖRERN IM HCC
Adventskonzert fernab der üblichen Pfade
„Alle Jahre wieder?“ Weit gefehlt! Das Adventskonzert der Mozart Gesellschaft in der großen Halle des Harenberg-Centers wandelte weit ab von den üblichen Pfaden. Sehr zur Freude der Zuschauer.
„Spark – Die klassische Band“ war angerückt mit zwei Pianisten, einem Geiger, einem Cellisten und einem ganzen „Arsenal“ von Blockflöten, vom Großbass bis zum Sopranino, die Andrea Ritter und Daniel Koschitzki ebenso virtuos wie mitreißend zu handhaben wussten.
Geheimnisvoll lassen die Musiker den „First Snow“, den ersten Schnee, in einem Wiegenlied von Kenji Bunch auf die stimmungsvoll jeweils passend zum Stück in verschiedene Farben getauchte Bühne rieseln; aufreibend ist das Stück „Rushing for Gifts“, die Jagd nach den Geschenken, desselben Komponisten: Saiten knallen und zeichnen vielleicht die hastigen Schritte auf Asphalt, aufreibend ist der Duktus aus sich stets wiederholenden und nur allmählich verändernden minimal-music-ähnlichen Floskeln. Ein Tango von Lev Zhurbin zeigt einen weiteren Aspekt des „City Life at Christmas“ – so der Titel des Programms, wobei eine Melodika das sonst beim Tango übliche Bandoneon ersetzt.
Doch nicht nur die vorwiegend modernen und doch stimmungsvollen Kompositionen schlagen das Publikum in ihren Bann, ebenso sind es die beeindruckenden solistischen Fähigkeiten der Musiker, die begeistern: etwa, wenn Geiger Stefan Glaus die Einleitung zu dem russischen Stück „Deux Guitares“ intoniert; ein Werk, das stellenweise an die Ungarischen Tänze von Brahms erinnert, und er sich im zweiten Teil einen Wettlauf mit dem ebenfalls hervorragenden Cellisten Victor Plumettaz liefert, der durch seinen samtig-weichen Ton überzeugt.
Virtuos und mit viel Gefühl präsentiert Pianistin Jutta Rieping Mozarts Variationen über „Ah, vous dirais-je, Maman“ – die Melodie ist den meisten bekannt als „Morgen kommt der Weihnachtsmann“. Ein wunderschönes, stimmiges Weihnachtskonzert!
*Martina Lode-Gerke

 

RUHR NACHRICHTEN, 31. Januar 2011

MUSIKALISCHER MAGNETISMUS
Martin Stadtfeld und das Festival String Lucerne begeisterten bei der Matinee der Mozart Gesellschaft
Das neue Jahr hat für das Publikum der Mozart Gesellschaft gestern im Konzerthaus sehr gut begonnen: mit einem der besten Bach Interpreten (Martin Stadtfeld) und einem vorzüglichen Orchester. Das Festival String Lucerne ist wie ein Schweizer Pendant zur Academy of St. Martin in the Fields – ein geschliffen musizierendes Ensemble.
Drei Tage nach Mozarts 255. Geburtstag schlug Achim Fiedler am Pult des mit nur 17 Streichern besetzten Kammerorchesters Brücken von Bach zu Mozart – in einer Matinee, die schon zeitliche Ausmaße der Akademiekonzert der Mozart-Zeit hatte.
Interessant war der Vergleich der Ouvertüre zum „Magnet der Herzen“ von Johann Sebastians Bachs jüngstem Sohn Johann Christian und Mozarts Klavierkonzert KV 414, in dem Bachs Thema im zweiten Satz zitiert wird.

PREISGEKRÖNTES SPIEL
Noch mehr Magnetismus war das Zusammenspiel von Stadtfeld und dem Luzerner Orchester in Johann Sebastian Bachs erstem Klavierkonzert. 2007 haben beide das Konzert auf CD eingespielt, damit die Klassik-Charts gestürmt und einen Echo-Preis gewonnen. Eng miteinander verzahnt war das Spiel des 30jährigen Herner Pianisten und des Schweizer Orchesters. Transparent, hochvirtuos, technisch und musikalisch souverän fingerte Stadtfeld die unermüdliche Motorik aus dem Flügel. Den neuen Steinway des Konzerthauses, das Instrument mit etwas mehr Kraft und Volumen, hatte er sich ausgesucht. Zu seinem scharf konturierten Spiel passte das hervorragend. Den zweiten Satz leuchtete er mit der romantischen Seele aus, mit der er seine neue CD im Konzerthaus eingespielt hat. 
Mozart und dessen A-Dur Klavierkonzert deutete Stadtfeld aus der Bach-Tradition, spielte den Mittelsatz etwas sehr eilig, dafür aber die Ecksätze schnell, elastisch und sehr federnd. Zwei selten gespielte Mozart-Sinfonien (Nr. 21 und 33) bildeten den Konzert-Rahmen. In flotten Tempi, mit sparsamen Gesten zeigt Fiedler dort, wie gut er sein Orchester in den vergangenen 13 Jahren auf Hochglanz poliert hat. *JG

Westfälische Rundschau, WAZ 31. Januar 2011

KLANGLICHE FEINHEIT UND KREATIVER KLASSIK-STAR
Mit Martin Stadtfeld hat die Mozart Gesellschaft Dortmund einen Star der Klassik-Szene für die sonntägliche Matinee gewinnen können. Im ausverkauften Konzerthaus zeigte der Pianist aus Herne seine eigenwillige Herangehensweise etwa beim ersten Klavierkonzert d-Moll von Johann Sebastian Bach.
Größtmögliche Abwechslung bot Stadtfeld seinen Fans: Da gibt es hervorstechende Triller, forcierte Läufe und auch im schnellen Allegro ein im Metrum getretenes Pedal. Doch das, was die individuelle Stadtfeld-Interpretation ausmacht, ist zugleich problematisch. Nicht unbedingt die Lautstärke, sondern die Intensität der Klänge sorgt für ein Ungleichgewicht zwischen Solisten und Orchester.
Mozarts Klavierkonzert Nr. 12 A-Dur kam bei Stadtfeld mit romantisch aufgeladener Virtuosität daher. Die zunächst auch hier spürbare Unruhe war aber im langsamen Mittelsatz plötzlich wie auf Knopfdruck abgelegt: Die zurückhaltenden Solopassagen profitierten davon ebenso wie die mit dem Orchester vorgestellten Themen. 
Und so war dann die Zugabe der Höhepunkt des Stadtfeld-Auftrittes: Innere Ruhe und sensible Piano-Klänge machten die Transkription des Bach-Choralvorspiels zu „Ich ruf zu dir“ von Ferruccio Busoni zu einem gelungenen Beitrag. 
Unter der Leitung von Achim Fiedler präsentierten die „Festival Strings“ aus Luzern darüber hinaus zwei Mozart-Sinfonien. Die Vorzüge des Kammerorchesters aus der Schweiz zeigten sich bereits in den ersten Takten der Sinfonie A-Dur KV 134: Schwingende Rhythmen und die heitere Eleganz der Artikulation ließen die feinen musikalischen Strukturen des Kopfsatzes transparent werden. Die rund zwanzig Musiker setzten ihren Schwerpunkt auf klangliche Feinheit und konnten überzeugend darlegen, dass attraktive Kontrastwirkungen auch mit einem überaus schlanken Ensemble zu erzielen sind. *Burkhard Sauerwald

 

Ruhr Nachrichten, 14. März 2011

MIT MOZART MUNTE IN DEN FRÜHLING
Fünfte Matinee im Konzerthaus
So klingt der Frühling: Ein frisches, duftig-leichtes Freiluft-Divertimento hat Mozart zum Namenstag seiner Schwester Nannerl komponiert. Mit dem „Nannerl“-Septett schickte die Mozart Gesellschaft ihr Publikum gestern in den Frühling. Ähnlich luftig klang zu Beginn des Konzerts Mozarts Divertimento KV 138.
Es war eines der seltenen Konzerte mit einer Frau am Pult. Agnieszka Duczmal hat das Amadeus Chamber Orchestra des Polnischen Rundfunks 1969 gegründet. In kleiner Besetzung, mit 19 Streichern, spielten die Polen das Divertimento – sehr genau und musikantisch. Und im Finale hörte man auch, wem Rossini seinen musikalischen Witz abgelauscht hat. Die Zugabe, Rossinis Ouvertüre zur Oper „Wilhelm Tell“, rundete das Programm ab. Das Orchester spielte mit Verstärkung der Dortmunder Philharmoniker in den Bläsern. Die großen Oboen-Soli blies Birgit Welpmann.
Dazwischen stellten sich zwei blutjunge Stipendiaten der Mozart Gesellschaft vor. Cellistin Nadège Rochat ist 19 Jahre jung, und aus dem Spiel der Schweizerin klang in Haydn C-Dur Konzert viel Reife und Wärme. Rokokohaft spielte sie die schnellen Sätze, mit viel Ruhe das Adagio.
In der Zugabe, einer Sarabande von Bach, hörte man noch einmal, wie sehr sich die 19-jährige in die Musik eingraben und vertiefen kann. Die Studentin von Maria Kliegel in Köln kommt als Solistin im Benefizkonzert der Rotarier am 15. April ins Konzerthaus mit Boccherini zurück. 
Auch ein mehr zurückhaltender, aber blitzsauber blasender Musiker ist Hornist Tunca Dogu. Mozarts erstes Hornkonzert und den Konzertsatz KV 370b vorweg blies der 20-jährige Türke mit virtuoser Bravour, aber nicht mit schmetternder Kraft.  *JG

Westfälische Rundschau, 14. März 2011

EIN VERGNÜGEN NICHT NUR FÜR MOZARTFREUNDE
Ein musikalisches Vergnügen soll es sein: Ein Divertimento war gehobene Unterhaltungsmusik, wie es zur Tafel, sei es im Freien. Wolfgang Amadeus Mozart schrieb einige unterschiedliche Werke dieser Gattung, wie bei der Mozart Matinee im Konzerthaus hörbar gemacht wurde: Das Amadeus Kammerorchester des polnischen Rundfunks – ein Streichensemble von rund 20 Musikern – unterhielt zunächst mit dem Divertimento KV 138.
Prägnante Rhythmen, etwa im flotten Presto gefielen ebenso wie die watteweichen tiefen Streicher im langsamen Satz. Dagegen ist das sogenannte „Nannerl Septett“ umfangreicher, und auch (von den Philharmonikern ausgeliehene) Bläser kommen zum Einsatz. Viel zu tun hatte in diesem ansprechend musizierten Divertimento vor allem Birgit Welpmann mit dem exponierten Oboen-Part.
Unter der Leitung der klar strukturierten Dirigentin Agnieszka Duczmal wirkte das Orchester als guter Partner für zwei junge Solisten. Die Cellistin Nadège Rochat beherrscht gepflegt zurückhaltende Klänge, doch in Joseph Haydns Cello-Konzert Nr. 1 überwiegen bei ihr die zupackenden Töne – ein Wechselspiel, das die Kadenz des ersten Satzes reizvoll machte.
Gelassen widmet sich Tunca Dogu dem Solopart in Mozarts Hornkonzert D-Dur. Mit gerade einmal zwanzig Jahren ist er bereits Erster Hornist in Hamburg. Ein präsenter Ton zeichnet ihn aus; seinen langen Atmen nutzt er für schön gestaltete Phrasen.
Ebenso unterhaltsam wie das ganze Konzert: Die Zugabe mit Gioacchino Rossinis „Wilhelm Tell“ – in einer Version für Streichorchester. *Burkhard Sauerwald

 

RUHR NACHRICHTEN, 11. April 2011

(MO)ZÄRTLICHE MEISTER
Letzte Matinee der Saison im Konzerthaus mit zwei jungen Stipendiaten
Schade. Die Saison der Mozart Gesellschaft ist gestern schon wieder zu Ende gegangen. Aber die jungen Stipendiaten Maria Cecilia Munoz (Flöte) und David Theodor Schmidt (Klavier) versüßten dem Publikum im wie gewohnt ausverkauften Konzerthaus den Beginn der langen Sommerpause bis 18. September.
Die beiden 28-jährigen Solisten, die mit dem im Stehen, sehr wach musizierenden Mendelssohn Kammerorchester Leipzig spielten, hatten viel gemeinsam: Sie sind jung, aber nicht wild. Sie sind technisch souverän und sehr musikalisch. Und sie sind absolut kontrolliert, manchmal etwas zu brav, dafür aber sehr reif im Ausdruck. – Zwei (mo)zärtliche Meister.
Die argentinische Flötistin spielte das Paradekonzert für ihr Instrument: Mozarts G-Dur-Flötenkonzert. Begleitet von dem Kammerorchester mit nur 15 Streichern blies sie das in einer lupenreinen CD-Qualität, im langsamen Satz mit sehr substanzvollem Ton. 
Der schöne Ton und die hohe Anschlagskultur zeichnen auch David Theodor Schmidt aus. Mozarts zweites „Ployer-Konzert“ bot ihm nicht übermäßig viel Gelegenheit, virtuos mit Technik aufzutrumpfen, weil es für eine Schülerin geschrieben wurde. Dafür tauchte Schmidt im Andante tief ein in die Musik und phrasierte noch viel eleganter als das Orchester. Eine Sarabande von Bach spielte er als Zugabe – von diesem Pianisten wird man noch viel hören.
Ungewöhnlich war die Programmfolge mit zwei Solokonzerten im ersten Teil und nach der Pause einer Streicher-Sinfonie vom 14-jährigen Mendelssohn und Haydns Sinfonie „La Roxelane“. Das Mendelssohn-Werk hätte man mit dem Flötenkonzert gut tauschen können.
Am Pult des kleinen Ensembles stand Peter Bruns, der als Cellist einen ebenso klangvollen Namen hat wie als Dirigent. Die Sinfonie von seinem Namensgeber spielte das Orchester wie Muttermilch; die Streicher zeigten Mendelssohn dort als Mozart der Romantik mit einem klaren, fast vibratolosen Ton.
Quirlig, wie ein Sommerwind ließ Bruns dann die Haydn-Sinfonie im Finale brausen. Als Zugabe noch ein presto furioso aus Haydns Sinfonie „Der Zerstreute“.  *JG

WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU, 11. APRIL 2011

STIPENDIATEN DER MOZART GESELLSCHAFT STELLEN SICH VOR
Kleines Orchester, große Klangwirkung
Mit María Cecilia Munoz und David Theodor Schmidt traten gleich zwei junge Solisten beim Saisonabschluss der Mozart Gesellschaft an, und beide hatten Mozart –Solowerke mitgebracht.
Die argentinische Flötistin machte beim ersten Flötenkonzerte eigentlich alles richtig. Akkrate Läufe und temperamentvolle Akzentuierungen wussten zu gefallen, ebenso einige klangliche Effekte, etwa im Kopfsatz. Zwischen Leidenschaft und einer Mozartgemäßen Gelassenheit konnte sie sich nicht entscheiden – eine gute, aber eben keine mitreißende Darbietung.
Mozart Klavierkonzert KV 453 mit David Theodor Schmidt war dagegen durchweg stimmig und beeindruckend. Unaufgeregt stellte der Pianist auch in schnellen Tempi das lyrische Element der Komposition in den Vordergrund. Warme Klänge entlockt er dem Diskant des Konzertflügels, wovon das introvertierte Andante ebenso profitierte wie das von Bläser- und Streicherwechseln geprägte Allegretto. Dazu passend zeigten die lediglich 20 Musiker des Mendelssohn-Kammerorchesters wenig Pathos, aber eben auch keine gepflegte Langeweile. Die Musiker aus Leipzig erreichten mit ihrer schlanken Besetzung eine ansprechende Differenziertheit des Klanges und nutzten die gesamte dynamische Bandbreite ihrer Instrumente. Zwar gibt es elegantere Schlagbilder als das des Dirigenten Peter Bruns – aber es funktionierte, was er seinen im Stehen musizierenden Künstlern vermittelte.
Mit Joseph Haydns eingängiger Sinfonie „La Roxelane“ sorgte das Ensemble für einen stimmigen Schluss der Saison. *Burkhard Sauerwald